Von Abklingzeit bis Zwischenlager – das Glossar

Die Welt der Energiewirtschaft besteht aus vielen Fachbegriffen, die dem Laien nicht immer gelÀufig sind. Wir haben einige zusammengetragen.

Glossar

  • Abklingzeit

    In der Kerntechnik bezeichnet Abklingzeit den Zeitraum, den gebrauchte Brennelemente im Abklingbecken verweilen mĂŒssen, um so wenig WĂ€rme zu erzeugen, dass diese mit dem Castor transportiert werden dĂŒrfen. Das Abklingen ist hier nicht durch eine Halbwertszeit beschreibbar, da es sich um ein Gemisch vieler verschiedener Radionuklide handelt.

  • Atomgesetz

    Gesetz ĂŒber die friedliche Verwendung der Kernenergie und den Schutz gegen ihre Gefahren;
    Zweck des Gesetzes (§ 1 AtG) ist,
    1. die Nutzung der Kernenergie zur gewerblichen Erzeugung von ElektrizitÀt geordnet zu beenden und bis zum Zeitpunkt der Beendigung den geordneten Betrieb sicherzustellen,
    2. Leben, Gesundheit und SachgĂŒter vor den Gefahren der Kernenergie und der schĂ€dlichen Wirkung ionisierender Strahlen zu schĂŒtzen und durch Kernenergie oder ionisierende Strahlen verursachte SchĂ€den auszugleichen,
    3. zu verhindern, dass durch Anwendung oder Freiwerden der Kernenergie die innere oder Ă€ußere Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland gefĂ€hrdet wird,
    4. die ErfĂŒllung internationaler Verpflichtungen der Bundesrepublik Deutschland auf dem Gebiet der Kernenergie und des Strahlenschutzes zu gewĂ€hrleisten.

  • Atomkonsens

    Mit dem prĂ€genden Schlagwort Atomkonsens wurden in der deutschen Öffentlichkeit verschiedene Versuche bezeichnet, das gesellschaftlich höchst umstrittene Problem der Atomenergie-Nutzung im „Konsens“ zwischen den betroffenen Wirtschaftsunternehmen und der Politik, vertreten durch die Bundesregierung, zu lösen. Die Zustimmung zu den erreichten Vereinbarungen schließt dabei in der Regel nur die an den Verhandlungen beteiligten Gruppen, jedoch nicht die parlamentarische Opposition oder andere außerparlamentarische Gruppen mit ein. Es handelt sich also nicht um einen gesamtgesellschaftlichen Konsens.

  • Becquerel, Bq

    Becquerel, abgekĂŒrzt Bq, ist die SI-Einheit der AktivitĂ€t eines radioaktiven Stoffes (Formelzeichen: A). Die AktivitĂ€t gibt die mittlere Anzahl der Atomkerne an, die pro Sekunde radioaktiv zerfallen.

  • Betriebsstörung

    Störung des Normalbetriebes einer Anlage, die keine SchĂ€den verursacht, die fĂŒr die Sicherheit von Bedeutung sind. Es wird keine ĂŒber den Normalbetrieb hinausgehende Strahlenexposition in der Umgebung hervorgerufen.

  • Brennelement

    Die Brennelemente sind wesentliche Bauteile eines Kernreaktors und bilden zusammen mit den sonstigen Einbauten den Reaktorkern. Sie enthalten den Kernbrennstoff. Bei den meisten Leistungsreaktoren, also Anlagen zur Energiegewinnung, ist das einzelne Brennelement ein BĂŒndel aus vielen dĂŒnnen BrennstĂ€ben, die vom KĂŒhlmittel, in der Regel Wasser, umspĂŒlt werden. Diese Anordnung ergibt eine genĂŒgend große FlĂ€che fĂŒr den WĂ€rmeĂŒbergang. Die StĂ€be enthalten den Kernbrennstoff, meist Uranoxid in Form zylindrischer Pellets. Andere Formen von Brennelementen gibt es jedoch bei Hochtemperaturreaktoren.

  • Castor-/Castor-BehĂ€lter

    CASTOR ist die AbkĂŒrzung (Akronym) fĂŒr engl. „cask for storage and transport of radioactive material“, also „BehĂ€lter zur Aufbewahrung und zum Transport radioaktiven Materials“. Castor-BehĂ€lter sind SpezialbehĂ€lter zur Lagerung und zum Transport hochradioaktiver Materialien, zum Beispiel von abgebrannten Brennelementen aus Kernkraftwerken oder Abfallprodukten („Glaskokillen“) aus der Wiederaufarbeitung. CASTOR ist ein international geschĂŒtzter Markenname der Gesellschaft fĂŒr Nuklear-Service (GNS). Im allgemeinen deutschen Sprachgebrauch wird das Wort auch als Synonym bzw. Gattungsname fĂŒr BrennelementbehĂ€lter oder BehĂ€lter fĂŒr hochradioaktive AbfĂ€lle verwendet.

  • Deckungsvorsorge

    Unter „Deckungsvorsorge“ wird die Summe verstanden, fĂŒr welche die Kernkraftwerksbetreiber fĂŒr den Fall eines nuklearen Schadens eine Haftpflichtversicherung oder vergleichbare Sicherheit nachweisen mĂŒssen. DemgegenĂŒber ist ihre Haftung der Höhe nach unbegrenzt.

  • Dekontamination

    Beseitigung oder Verminderung einer Verunreinigung mit radioaktiven Stoffen.

  • Endlager

    In der Kerntechnik bezeichnet Endlager eine LagerstÀtte, in der radioaktive AbfÀlle mindestens so lange von der BiosphÀre abgeschieden werden sollen, bis keine Gefahr mehr von ihnen ausgeht.

  • Energiewende

    Als Energiewende wird die Realisierung einer nachhaltigen Energieversorgung in den Sektoren Strom, WĂ€rme und MobilitĂ€t mit erneuerbaren Energien bezeichnet. Hierzu zĂ€hlen Windenergie, Sonnenenergie (Solarthermie, Photovoltaik), Meeresenergie, Bioenergie (einschließlich Deponiegas und KlĂ€rgas), Hydroenergie und ErdwĂ€rme.

  • Freimessung

    Unter dem Begriff „Freimessen“ versteht man in der Kerntechnik den messtechnischen Nachweis, dass bestimmte, vor allem beim RĂŒckbau bzw. Abriss einer kerntechnischen Anlage anfallende RĂŒckstĂ€nde wie Bauschutt, Metallteile etc. so wenig radioaktive AktivitĂ€t aufweisen, dass sie nicht mehr ĂŒberwacht werden mĂŒssen. Die Entscheidung, das Material aus der atomrechtlichen Überwachung zu entlassen, bezeichnet man als „Freigabe“. Das Freimessen ist eine Vorstufe der Freigabe. Die Messungen selbst werden, da sie der Entscheidung ĂŒber eine Freigabe dienen, als „Entscheidungsmessungen“ bezeichnet. Nur ein kleiner Teil des gesamten Materials in einer kerntechnischen Anlage ist ĂŒberhaupt jemals mit RadioaktivitĂ€t in BerĂŒhrung gekommen. Davon kann wiederum der grĂ¶ĂŸte Teil durch Dekontaminierungsmaßnahmen von anhaftenden Radionukliden befreit werden. Material, dessen AktivitĂ€t nachweislich unterhalb eines bestimmten Niveaus liegt, kann aufgrund behördlicher Entscheidung freigegeben werden. Danach ist das Material kein radioaktiver Stoff im Sinne des Atomrechts mehr. Beim Abriss eines Kernkraftwerks können am Ende etwa 93 % der Gesamtmasse uneingeschrĂ€nkt freigegeben werden.

  • Fukushima, Nuklearkatastrophe von Fukushima

    Als Nuklearkatastrophe von Fukushima werden eine Reihe katastrophaler UnfÀlle und schwerer StörfÀlle im japanischen Kernkraftwerk Fukushima Daiichi (Fukushima I) und deren Auswirkungen bezeichnet.

  • ICSID

    Das Internationale Zentrum zur Beilegung von Investitionsstreitigkeiten (englisch: International Centre for Settlement of Investment Disputes – ICSID) ist ein internationales Schiedsgericht mit Sitz in Washington, D.C., das der Weltbankgruppe angehört. Es entscheidet und vermittelt vor allem bei Streitigkeiten im Rahmen von bilateralen Investitionsschutzabkommen (BITs).

  • INES

    Die Internationale Bewertungsskala fĂŒr nukleare Ereignisse (AbkĂŒrzung INES von englisch International Nuclear Event Scale) ist eine Festlegung fĂŒr sicherheitsrelevante Ereignisse, im Speziellen StörfĂ€lle und AtomunfĂ€lle in kerntechnischen Anlagen, insbesondere die Sicherheit von Kernkraftwerken betreffende.

  • Kontrollbereich

    RĂ€umlich abgetrennter und ĂŒberwachter Bereich, in dem Personen eine effektive Dosis von mehr als 6 Millisievert jĂ€hrlich erhalten können. Der Zutritt ist nur unter Beachtung besonderer Strahlenschutzvorschriften zulĂ€ssig.

  • KritikalitĂ€t

    Zustand eines aus Kernmaterial bestehenden Systems, in dem eine sich selbst erhaltende Kettenreaktion ablÀuft.

  • Nachbetriebsphase

    Phase zwischen der endgĂŒltigen Abschaltung eines Kernkraftwerks und der Erteilung der Stilllegungsgenehmigung. In dieser Phase sind solche Maßnahmen zulĂ€ssig, die durch die Betriebsgenehmigung abgedeckt sind, z. B. Entladung der Brennelemente aus dem Reaktor.

  • Normalbetrieb, Leistungsbetrieb

    Anlagenzustand innerhalb festgelegter Betriebsgrenzen und gemĂ€ĂŸ geltender Vorschriften (Voll-/Teillastbetrieb, An-/Abfahren, Stillstand, PrĂŒfung/Inspektion, Instandhaltung, Brennstoffwechsel).

  • Nuklid

    Ein Nuklid (von lateinisch nucleus, „Kern“) – seltener auch Nukleid – ist eine Art von Atomen mit gleichen Atomkernen. Die Atomkerne eines Nuklids stimmen in der Anzahl der Protonen und Neutronen ĂŒberein. Damit gehören die Atome eines Nuklids zum selben Isotop desselben chemischen Elements. Im Begriff „Nuklid“ wird bisweilen auch ein bestimmter Energiezustand des Atomkerns mit eingeschlossen, sofern er hinreichend langlebig ist. Das heißt, Kernisomere werden als eigene Nuklide gezĂ€hlt. Davon abgesehen unterscheiden sich die Begriffe „Isotop“ und „Nuklid“ nur darin, dass „Isotop“ die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Element aus dem chemischen Periodensystem betont und „Nuklid“ die physikalische Beschaffenheit des Atomkerns.

  • Radionuklid

    Als Radionuklid oder radioaktives Nuklid bezeichnet man ein Nuklid (eine Atomsorte), wenn es instabil und damit radioaktiv ist.

  • Reaktor, Kernreaktor, Reaktorkern

    Ein Kernreaktor (auch Atomreaktor oder Atommeiler, veraltet Atombrenner) ist eine Anlage, in der eine Kernspaltungsreaktion kontinuierlich als Kettenreaktion im makroskopischen, technischen Maßstab ablĂ€uft.

  • ReaktordruckbehĂ€lter

    Dickwandiger, zylindrischer StahlbehĂ€lter, der bei einem Kernkraftwerk den Reaktorkern und andere Einbauten in der NĂ€he des Reaktorkerns umschließt. Er ist aus einem speziellen Feinkornstahl gefertigt, der eine hohe ZĂ€higkeit aufweist.

  • Reaktorschnellabschaltung

    Die Reaktorschnellabschaltung (kurz RESA oder SCRAM – Safety Cut Rope Axe Man, s. u.; auch Reaktortrip, ugs. Trippen) ist ein Vorgang in Kernkraftwerken. Die Reaktorschnellabschaltung kann in StörfĂ€llen manuell vom Bedienungspersonal oder aber auch durch ein Reaktorschutzsystem beim Überschreiten bestimmter Grenzwerte automatisch ausgelöst werden. Das Reaktorschutzsystem ermittelt Messwerte mehrfach redundant, um Fehlalarme möglichst zu vermeiden.

    Die RESA macht den Reaktor stark unterkritisch, beendet also die Kernspaltungskettenreaktion. Sie dient nicht der gewöhnlichen Reaktorregelung, da bei einer Reaktorschnellabschaltung der Reaktor sofort heruntergefahren wird.

  • Restbetrieb, Restbetriebsphase

    Als Restbetrieb bezeichnet man den Teil der Stilllegungsphase, der auf die Stilllegungsgenehmigung folgt. WÀhrend der Restbetriebsphase werden alle Systeme und Komponenten weiterbetrieben, die wÀhrend der Stilllegung weiterhin erforderlich sind.

  • RĂŒckbau

    Alle Maßnahmen, die im Rahmen einer Genehmigung nach § 7 Abs. 3 AtG durchgefĂŒhrt werden, um die staatliche atomrechtliche Aufsicht ĂŒber die kerntechnische Anlage zu beenden. Der Abbau einer kerntechnischen Anlage umfasst die Beseitigung von GebĂ€uden, Systemen und Komponenten, die Regelungsgegenstand der Genehmigung zur Errichtung und zum Betrieb der Anlage nach § 7 Abs. 1 AtG waren oder entsprechend zu bewerten sind. FĂŒr den Begriff „Abbau“ wird auch synonym der Begriff „RĂŒckbau“ verwendet. Man unterscheidet zwischen zwei RĂŒckbaustrategien: „Direkter RĂŒckbau“ und „Sicherer Einschluss“.

  • RĂŒckstellungen

    Finanzielle Vorsorge der Kernkraftwerksbetreiber fĂŒr RĂŒckbau und Entsorgung der Anlagen, basierend auf öffentlich-rechtlichen Verpflichtungen, insbesondere dem Atomgesetz, sowie Auflagen, die in den Betriebsgenehmigungen festgeschrieben sind.

  • Sicherer Einschluss

    Bei dieser Stilllegungsstrategie wird eine kerntechnische Anlage fĂŒr einen lĂ€ngeren Zeitraum in einen praktisch wartungsfreien Zustand ĂŒberfĂŒhrt, wobei der endgĂŒltige Abbau und die Entlassung aus der atomrechtlichen Überwachung auf einen spĂ€teren Zeitraum verschoben werden.

  • Siedewasserreaktor

    Der Siedewasserreaktor (SWR) ist ein Leichtwasser-Kernreaktor zur WĂ€rmeerzeugung in Kraftwerken. Nach dem Druckwasserreaktor (DWR), der ebenfalls in der Regel mit Leichtwasser betrieben wird, ist es der am meisten verbreitete Kernreaktortyp. Im Gegensatz zum DWR mit PrimĂ€r- und SekundĂ€rkreislauf, verfĂŒgt der SWR nur ĂŒber einen Dampf-Wasser-Kreislauf.

  • Sievert/Millisievert

    Das Sievert (Einheitenzeichen: Sv, nach dem schwedischen Mediziner und Physiker Rolf Sievert) ist die Maßeinheit verschiedener gewichteter Strahlendosen. Sie dient zur Bestimmung der Strahlenbelastung biologischer Organismen und wird bei der Analyse des Strahlenrisikos verwendet.

  • Stilllegung, Stilllegungsplanung

    Die Stilllegung einer Anlage umfasst alle Maßnahmen nach der endgĂŒltigen Einstellung des Leistungsbetriebes bis zur Erreichung des Stilllegungsziels (RĂŒckbau). Als Oberbegriff umfasst die Stilllegung sowohl den Nach- als auch den Restbetrieb.

  • Wiederaufbereitung

    Bei der Wiederaufbereitung handelt es sich um eine Kombination physikalischer und chemischer Trennverfahren, durch welche die Stoffe Uran und Plutonium (in Form chemischer Verbindungen) aus verbrauchten Brennelementen zurĂŒckgewonnen und die hochradioaktiven AbfĂ€lle abgetrennt werden. Großtechnisch wird zur Wiederaufarbeitung vor allem das sog. PUREX-Verfahren angewendet (Plutonium-Uran-Reduktions-Extraktions-Verfahren).

  • Zwischenlager

    Ein Zwischenlager in der Kerntechnik ist ein vorĂŒbergehender Aufbewahrungsort fĂŒr abgebrannte Brennelemente und/oder radioaktive AbfĂ€lle.