Presseschau vom 17.04.2024

Herzlich willkommen zur neuesten Ausgabe der Presseschau. In den deutschen Medien finden sich diese Woche Berichte zu den Konsequenzen des Ausstiegs aus der Kernenergie sowie zu einzelnen deutschen Kernkraftwerken und dem dortigen Rückbaustand. Außerdem finden Sie wie immer internationale Nachrichten. Wir wünschen viel Spaß bei der Lektüre!

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Auch im Kernkraftwerk Emsland macht man sich für den Rückbau bereit. Für das KKW, das im letzten Jahr als eines der drei letzten deutschen Kernkraftwerke vom Netz genommen wurde, wird dieses Jahr mit der Rückbaugenehmigung gerechnet. Dann wird es noch weitere 15 Jahre dauern, bis alle radioaktiven Elemente das Gelände verlassen haben. Erst danach kann mit dem konventionellen Rückbau begonnen werden. Im nahegelegenen Lingen gibt es auch eine Brennelementefabrik, für die nach wie vor eine unbefristete Betriebsgenehmigung vorliegt. Diese hat in den letzten Monaten durch den angekündigten Plan, nun auch Brennelemente für Reaktoren russischer Bauart anzufertigen, für Schlagzeilen gesorgt. Und auch die lokalen Kernkraftgegner sind nicht angetan von der Fabrik: Von einem konsequenten Ausstieg aus der Kernenergie müsse auch die Produktion von Brennelementen eingestellt werden. Lingen setzt mittlerweile insgesamt auf Wasserstoff statt auf Kernkraft:

NDR

Für das 2021 stillgelegte Kernkraftwerk Brokdorf in Schleswig-Holstein wurde bereits 2017 der Antrag zur Stilllegung und zum Rückbau gestellt. Dennoch konnte mit dem Rückbau bislang nicht begonnen werden. Nach aktuellem Stand wird mit dem Entwurf der Genehmigung bis August 2024 gerechnet, der Rückbau wird größtenteils mit bereits von PreussenElektra angestelltem Fachpersonal vonstattengehen. Pläne für das Gelände gibt es allerdings schon jetzt. Bereits 2026 soll der erste Teil eines Batteriespeichers in Brokdorf entstehen. Das Schleswig-Holstein Magazin hat sich vor Ort ein Bild gemacht:

NDR, Schleswig-Holstein Magazin

Teilnehmende der Vortragsreihe „Forum: Logistik“ erhielten beim Besuch im Kernkraftwerk Brokdorf spannende Einblicke in die Geschichte des Kraftwerks, den Rückbauvorbereitungen und den Plänen für die Nachnutzung des Geländes. Auch regionale Logistik- und Infrastrukturthemen kamen zur Sprache, wie etwa die Elbquerung oder die verstärkte Anbindung durch Bahn- und B5-Ausbau. Für das KKW Brokdorf liegt aktuell noch keine Rückbaugenehmigung vor, aktuell wird davon ausgegangen, dass die Arbeiten bis 2039 dauern werden. Um einen möglichst reibungslosen Ablauf zu gewährleisten, ist der Punkt des Abtransports von Bauschutt und radioaktiven Materialien von zentraler Bedeutung. Um hier stark aufgestellt zu sein, sind auch lokale Partnerschaften wichtig:

SONNTAGSANZEIGER (Bezahlinhalt)

Eine Studie des Beratungsunternehmens für Energiewirtschaft, Enervis, zeigt, dass der CO2-Ausstoß im Energiesektor seit dem deutschen Ausstieg aus der Kernkraft um 24% gesunken ist. Dies lässt nicht direkt auf den Ausstieg zurückführen – vielmehr ist der Anteil an erneuerbaren Energien gestiegen während der aus fossilen Energiequellen wie Braun- und Steinkohle gesunken ist – aber es entkräftet trotzdem die vor dem Ausstieg warnenden Stimmen, dass er auch auf die Klimaziele negative Auswirkungen haben werde. Zwei weitere von der Studie betrachtete Punkte sind, dass die Stromnachfrage innerhalb dieses Zeitraums insgesamt zurückgegangen ist und Deutschland mehr Strom aus dem Ausland bezieht. Teile dieses Stroms stammen auch nach wie vor aus der Kernenergie, auch wenn Deutschland selbst keine mehr erzeugt:

FRANKFURTER RUNDSCHAU

Während der Ausstieg aus der Kernenergie vielerorts als Schritt in eine sichere Zukunft betrachtet wurde, schafft er in einigen Gemeinden, in denen die Kernenergie lange Zeit für finanzielle Stabilität gesorgt hatte, eher Unruhe. So auch Gemmrigheim im baden-württembergischen Kreis Ludwigsburg, in dem Teile des KKW Neckarwestheim sowie das Zwischenlager angesiedelt sind. Die Gemeinde hat über lange Jahre von den überdurchschnittlich hohen Gewerbesteuereinnahmen profitiert, große Teile der Bevölkerung waren selbst im Kraftwerk tätig. Nun wird das Geld weniger, das Thema Kernenergie bleibt jedoch aktuell. Das Zwischenlager wird noch voraussichtlich bis 2050 aktiv bleiben – und gesichert ist auch das erst, wenn ein Endlager gefunden wurde:

FOCUS

Im am 15. April 2023 abgeschalteten Kernkraftwerk Isar 2 laufen die Rückbauarbeiten. Vorbei ist die Diskussion rund um das KKW und den Ausstieg jedoch noch nicht. Während die bayerischen Grünen die Entscheidung nach wie vor begrüßen, spricht sich die CSU weiterhin für ein Zurücknehmen des Ausstiegs aus. Auch Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) macht deutlich, dass er den Ausstieg aus der Kernenergie für eine falsche Entscheidung hält und die Kernkraft eine gute Brücke zu mehr erneuerbaren Energien hätte bieten können. Betreiber Preussen-Elektra sieht das Ganze pragmatischer: Ein Wiederhochfahren sei ausgeschlossen. Der Rückbau läuft, die für den Betrieb benötigten Mitarbeitenden seien nicht mehr verfügbar. Der Rückbau von Isar 2 wird voraussichtlich bis Ende der 2030er Jahre laufen:

BR

Internationale Nachrichten:

Niederlande: Mit ihrem einen Kernreaktor und einem Anteil an der Stromproduktion von 3,3% spielt die Kernenergie für die Niederlande eine bislang eher nebensächliche Rolle gespielt. Das könnte sich jetzt ändern. Bis 2030 sollen die vier noch bestehenden, hauptsächlich mit Steinkohle betriebenen Kraftwerke aus Klimaschutzgründen abgeschaltet werden. Die daraus gewonnene Energie muss ersetzt werden. Aus einer Mitteilung des Hafens Rotterdam geht nun hervor, dass eine der Optionen eine Errichtung eines Kernkraftwerks am Hafen von Rotterdam sei. Auf dem dafür vorgesehenen Areal stehen aktuell noch zwei der abzuschaltenden Steinkohlekraftwerke:

TÄGLICHER HAFENBERICHT (Bezahlinhalt)

Ukraine: Im westukrainischen Chmelnyzkyj wurde mit dem Bau zwei neuer Kernkraftreaktoren begonnen. Diese sollen dem dortigen, bereits vier Reaktorblöcke umfassenden Kernkraftwerk angeschlossen werden. Bei den beiden Blöcken handelt es sich um Druckwasserreaktoren, die in Zusammenarbeit mit dem US-amerikanischen Konzern Westinghouse errichtet werden und eine geschätzte Laufzeit von mindestens 60 Jahren haben. Mit der Fertigstellung wird 2028 gerechnet:

TAGESSCHAU

Bild-Copyright: Danny Cornelissen, Port of Rotterdam Authority