Wir begrüßen Sie ganz herzlich zu einer neuen Ausgabe der Presseschau. Diese Woche unter anderem mit einem Blick nach Österreich und Serbien, dazu das Unterthema Ausbildung in KKWs und die Frage nach der Forschung zu Kernkraft in Deutschland. Ergänzt wird die Auswahl durch ein Statement des Linde-Aufsichtsrats Reitzle.

Schüler aus Brunsbüttel gehen wie an vielen anderen Orten auch auf die Straße, um für den Klimaschutz zu demonstrieren. Auch im Unterricht dreht sich bei den älteren von ihnen in diesem Schuljahr vielen um das Thema Energie. Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) hat zusammen mit dem Leiter des KKW Brunsbüttel Klassen zweier Schulen besucht. „Um das Energieproblem in den Griff zu bekommen, müssen wir uns neue Technologien erschließen, wie beispielsweise Solarenergie und Windenergie“, so Prien laut Boyens Medien. Mit physikalischen und technischen Fragen hätten sich Gymnasiasten und Gemeinschaftsschüler aus Anlass des Besuchs intensiv beschäftigt und die entsprechenden Versuche aufgebaut. Möglich war dies dank Forscherboxen im Wert von € 10.000,- die das Kernkraftwerk Brunsbüttel beiden weiterführenden Schulen gestiftet hat. Dies sei laut SHZ, die ebenfalls berichtete, eine Übergabe mit Symbolcharakter, denn die von Vattenfall finanzierten und von der Bildungsministerin an die Schulen überreichten Experimentierkästen zeigten auf, dass eine Energiewende nur dann gelingen kann, wenn alle Seiten an einem Strang ziehen und vor allem die Jugend mit eingebunden werde (Bezahlinhalte):

SHZ

BOYENS MEDIEN

Um den vermutlich noch Jahrzehnte in Geesthacht lagernden Atommüll aus dem Kernkraftwerk Krümmel noch besser zu sichern, investierte die Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) jetzt in entsprechende Schutzmaßnahmen. Das bundeseigene Unternehmen ist mit Finanzmitteln der Energiekonzerne ausgestattet und für die Standortzwischenlager zuständig. Der Betrieb des Zwischenlagers für hochradioaktiven Müll direkt neben dem Kernkraftwerk ist bis 2046 genehmigt. Die Lübecker Nachrichten berichten und bieten ergänzend zum Beitrag eine Galerie zur Historie des KKW Krümmel an:

LN ONLINE

Damit Schleswig-Holsteins letztes noch laufendes Kernkraftwerk in Brokdorf bis zu seinem endgültigen Abschalttermin am 31. Dezember 2021 weiter Energie erzeugen kann, wollen die Eigentümer Preussenelektra und Vattenfall Stromproduktionsrechte vom bereits stillgelegten Werk in Krümmel auf Brokdorf übertragen. Brokdorf darf demnach in diesem und den beiden nächsten Jahren maximal noch insgesamt 15 Terawattstunden Strom produzieren. Da das Werk bei normalem Betrieb aber schon in einem Jahr 10 Terawattstunden erzeugt, wäre Mitte nächsten Jahres Schluss. Verhindern können die Betreiber die vorzeitige Abschaltung nur mit einem Kauf zusätzlicher Produktionskontingente von stillgelegten Reaktoren. Laut Atomgesetz ist solch eine Übertragung möglich. Aktuell gibt es zwischen den Betreibern jedoch noch keine Einigung über die Modalitäten. Wie die SHZ berichtet, hat Preussenelektra hierzu das Landgericht Hamburg angerufen (Bezahlinhalt):

SHZ.DE

Aufgrund von Auskünften der Konzernspitze während der RWE-Hauptversammlung am vergangenen Freitag in Essen befürchten Anti-Kernkraft-Initiativen und der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) eine Laufzeitverlängerung für das von RWE betriebene Kernkraftwerk Emsland in Lingen. RWE wies diese Mutmaßung als „Unsinn“ zurück. Die Vermutung entbehre jeder Grundlage, zitiert die NOZ einen Sprecher des Unternehmens:

NOZ

Dass in Kernkraftwerken in Deutschland weiterhin Nachwuchsfachkräfte erfolgreich ausgebildet und mit guten Berufsperspektiven übernommen werden, meldet das Portal B4B aus Schwaben. Das dortige Kernkraftwerk Gundremmingen befindet sich derzeit in einer gegenwärtig intensiven Parallelphase von Leistungsbetrieb und Rückbau, aktuell wurden dort fünf Nachwuchskräfte übernommen. Etwa 560 Mitarbeiter seien direkt im Werk beschäftigt. Hinzu kämen bei Partnerfirmen angestellte Mitarbeiter, die dauerhaft im Kernkraftwerk Gundremmingen tätig sind:

B4B WIRTSCHAFTSLEBEN SCHWABEN

Von einer Streitigkeit zwischen Österreich und dem Nachbarstaat Slowakei über dort im Bau befindliche Kernkraftwerke berichtet die Augsburger Allgemeine. Der für Juni geplante Start zweier von Österreich scharf kritisierter Reaktorblöcke im slowakischen Kernkraftwerk Mochovce werde nun verschoben. Die Betreiberfirma Slovenske Elektrarne teilte mit, der Betrieb verzögere sich bis November 2019, vielleicht auch bis März 2020. Die österreichische Regierung sorge sich vor allem um die Sicherheit der neuen Reaktorblöcke 3 und 4 des rund 100 Kilometer von der österreichischen Grenze entfernten Werks. Öaterreichischer Protest gegen Kernkraftwerke habe bereits Tradition, so das Blatt. Seit die Bevölkerung 1978 gegen die Inbetriebnahme des eigenen Reaktors Zwentendorf gestimmt hab, könnten sich Politiker bei diesem Thema auf die uneingeschränkte Unterstützung der Bürger verlassen:

AUGSBURGER ALLGEMEINE

Physiker behaupten laut eines Beitrags der WELT, es gebe ein Konzept für einen Kernreaktor ohne Sicherheitsrisiken und ohne atomaren Abfall. Deutschland solle demnach zumindest prüfen, ob diese Technik nicht das „kleinere Übel“ zur Milderung des Klimawandels sei, so der Meinungsbeitrag, statt generell Forschung und Entwicklung im Bereich Kerntechnik auszuschließen:

WELT

Die Titelgeschichte des SPIEGEL dieser Woche beschäftigt sich mit dem aus Sicht des Blattes katastrophalen Status der Energiewende in Deutschland. Für den Umbau des deutschen Energiesystems fehlten Kraftwerke, Netze und Speicher. Der Staat habe Milliardensummen vergeudet und den Ausstieg aus der Kernenergie nicht mit ausreichenden flankierenden Maßnahmen unterstützt (Bezahlinhalt):

SPIEGEL ONLINE

Der Aufsichtsratschef des Industriekonzerns Linde, Wolfgang Reitzle, habe Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schweres Versagen bei der Energiewende vorgeworfen und eine Rückkehr zur Atomkraft gefordert. Es mache ihn sprachlos, wie „lässig und Fakten ignorierend die Politik in Deutschland bei Themen wie der Energiewende Grundsatzentscheidungen trifft“, sagte er laut eines Berichts der Junge Freiheit gegenüber der Zeitung DIE WELT. Reitzle beklagte demnach, die gesamtwirtschaftlichen Folgen würden nicht betrachtet. Auch der Beschluss zum Ausstieg aus der Kernenergie müsse korrigiert werden. „Die Kernenergie sollte weiter Bestandteil unserer Energiepolitik bleiben, weil nur sie grundlastfähig, billig und CO2-frei ist“ zitiert das Blatt den Manager:

JUNGE FREIHEIT