Presseschau vom 08.02.2019

Diese Woche finden Sie ein buntes Füllhorn voller interessanter Beiträge zu Brunsbüttel, Krümmel, Brokdorf, Fessenheim, Grundremmingen, Grohnde und Biblis. Sehr lesenswert ist der Beitrag der „ZEIT“ zu Lubmin mit Blick zurück in die DDR. Außerdem blicken wir schaudernd in die Asse, nach UK und zum Abschluss zurück nach Brunsbüttel, wo das geplante LNG-Terminal ins Schlingern gerät.

Als erstes der drei Kernkraftwerke in Schleswig-Holstein wird das KKW in Brunsbüttel (Kreis Dithmarschen) rückgebaut. Kernkraftgegner begrüßen das grundsätzlich, sähen aber auch Risiken. Betreiber Vattenfall wolle größere Mengen radioaktiv belastetes Abwasser in die Elbe einleiten. Während des Rückbaus brauche Vattenfall vor allem Wasser, um nicht mehr benötigte Teile aus dem Kraftwerk zu dekontaminieren. Der vom Umweltministerium festgelegte Wert liege zwar unterhalb der gesetzlichen Höchstgrenze, sei aus Sicht der Kritiker aber trotzdem zu hoch. Der Leiter der Atomaufsicht im Kieler Umweltministerium, Jan Backmann, spricht hingegen von einer „aufgeregt geführten Debatte“. In dem Abwasser dürfe zukünftig pro Jahr genau so viel Radioaktivität enthalten sein wie während des Betriebs, als sich noch Brennstäbe im Reaktor befunden haben. Backmann sagte NDR Schleswig-Holstein, es gebe beim Abwasser kein Kriterium, nach dem man die Grenzwerte für Radioaktivität hätte herabsetzen können. „An einer bestimmten Stelle müssen alle ein Stück auch damit leben, dass es gesetzliche Vorschriften gibt“, wird Umweltminister Albrecht (GRÜNE) zitiert. Er und Backmann setzen vor allem auf das Strahlenminimierungsgebot. „Der Betreiber muss alles unternehmen, um diese Werte maximal möglich zu unterschreiten“, sagte  Backmann dem NDR. „Wir rechnen damit, dass die Größenordnung maximal so bleibt wie im Leistungsbetrieb. Würde sie höher werden, würden wir aufsichtlich eingreifen.“ Der Sender berichtet ausführlich, u.a. mit einem Videobeitrag:

NDR

 

Am Donnerstag, 14. Februar, stellt sich die BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung mbH mit einem Dialogabend in Geesthacht als neue Betreiberin des Standort-Zwischenlagers am Kernkraftwerk Krümmel öffentlich vor. Gemeinsam mit Bürgermeister Olaf Schulze lädt die BGZ interessierte Bürgerinnen und Bürger ein, sich zur Anfang Januar vorgenommenen Übertragung des Zwischenlagers in die Betriebsverantwortung der bundeseigenen Gesellschaft zu informieren. Dr. Ewold Seeba, Vorsitzender der BGZ-Geschäftsführung, und seine Mitarbeiter geben einen Überblick über Aufgaben und Kompetenzen des Unternehmens und stellen die Planungen für die Zukunft des Zwischenlagers Krümmel vor. Anschließend stehen die BGZ-Fachleute den Gästen für Fragen und Diskussion zur Verfügung. Die loz fasst zusammen:

LOZ-NEWS

 

Ab Herbst 2019 sollen zum Rückbau des KKW Brokdorf in Schleswig-Holstein erste Informationsveranstaltungen mit Bürgerbeteiligung stattfinden. Ziel sei es, für die beabsichtigte Stilllegung und und den Abbau des Kernkraftwerks Brokdorf, sowie der Errichtung und Betrieb einer Transportbereitstellungshalle größtmögliche Transparenz zu schaffen. Die SHZ fasst zusammen (Bezahlinhalt):

SHZ

 

Der „Schwäbische“ beschäftigt sich mit der Müllverbrennungsanlage in Weißenhorn nahe des KKW Grundremmingen. Dort stelle sich die Frage, ob die Deponie radioaktiv belastet sei, weil dort auch sogenannte freigemessene Abfälle aus dem benachbarten KKW verfeuert würden Aufschluss darüber sollen demnach jetzt die ersten Messungen geben. Dazu seien bereits Proben aus der Schlacke und den Filtern entnommen worden. Diese gingen an das Bayerische Landesamt für Umwelt in Augsburg, um festzustellen, ob eine Strahlenbelastung vorliege. Mit der vermeintlichen Gefährlichkeit des Materials setzte sich dem Blatt zufolge der Vertreter des Landesamtes für Umweltschutz bereits ausführlich auseinander. Er beteuerte mehrfach, wie unschädlich das freigemessene Material sei. Angesichts einer mittleren natürlichen Strahlenbelastung in Deutschland von 2100 Mikrosievert hält er die maximal zulässigen 10 Mikrosievert, die das freigemessene Material haben darf, für völlig unschädlich: „Das ist als nicht radioaktiver Stoff zu betrachten.“ Die zehn Mikrosievert seien verschwindend gering. Er betonte ebenso wie Vertreter des Kernkraftwerks, dass der Abfall mehrfach auf seine Radioaktivität hin gemessen werde:

Schwäbische

 

Mit der Situation des maroden Lagers für Atommüll Asse II beschäftigt sich ausführlich Deutschlandfunk Kultur. Jeden Tag drängen 13.000 Liter Wasser in das marode Atommüllager Asse II ein und drohen es zu zerstören. Aktivisten fürchten ein Worst-Case-Szenario. 120 Bergleute arbeiten dem Bericht zufolge aktuell an einer Lösung. Offen sei jedoch, wieviel Zeit für die notwendigen Arbeiten zur Verfügung steht:

Deutschlandfunk Kultur

 

Mit einer Reportage über einen ehemaligen KKW-Mitarbeiter, der bereits am Aufbau des dortigen KKW mitwirkte und jetzt auch dessen Rückbau begleitet, berichtet die ZEIT aus Lubmin bei Greifswald. Der Beitrag wirft auch einen historisch interessanten Blick zurück in die Zeit, als das Werk in der ehemaligen DDR unter zum Teil widrigen Umständen betrieben wurde:

ZEIT

 

Im stillgelegten Kernkraftwerk Biblis laufen laut eines Berichts auf rtl.de die Vorbereitungen für den Abbau von Großkomponenten. Wie ein Sprecher des Betreibers RWE demnach mitteilte, sollen in den kommenden Monaten zunächst vier Dampferzeuger aus Block A abgebaut werden. Danach seien vier weitere der etwa 350 Tonnen schweren und 20 Meter hohen Komponenten aus Block B an der Reihe. Die radioaktiv kontaminierten Dampferzeuger würden vor Ort teilweise zerlegt. Derzeit würden dazu Baustellen eingerichtet. Der Abbau erfolge innerhalb der Gebäude und sei von außen nicht sichtbar:

RTL

 

Das Kernkraftwerk Grohnde in Emmerthal (Landkreis Hameln-Pyrmont) läuft noch knapp drei Jahre. 2021 wird es gemäß den Verträgen zum Atomausstieg und der Energiewende abgeschaltet. Emmerthal verliere dann einen großen Arbeitgeber und Gewerbesteuerzahler, so der NDR in seinem Beitrag aus der Region. Die Gemeinde habe sich in dieser Frage nun professionelle Hilfe geholt: Eine Beraterfirma wurde damit beauftragt, einen Plan zu erstellen, wie Emmerthal die kommende Situation meistern kann. Emmerthals Bürgermeister Andreas Grossmann (SPD) hoffe, nach dem Aus des KKW zumindest einen Teil der wegfallenden Gewerbesteuereinnahmen kompensieren zu können. Daneben gehe es aber auch um den Wegfall von rund 600 Arbeitsplätzen. Deshalb gehe es nicht nur darum, Betriebe anzusiedeln, sondern auch darum, neue Jobs am Standort zu schaffen:

NDR

 

Wie die Badische Zeitung berichtet, ist eine Rahmenvereinbarung für die wirtschaftliche Entwicklung von Fessenheim nach dem Rückbau des dortigen KKW unterzeichnet worden. Darin wird unter anderem die Gründung einer deutsch-französischen Gesellschaft verabredet, die einen Gewerbepark entwickeln soll. Zur Unterzeichnung seien deutsche und französische Partner gekommen. Frankreichs Umweltminister François de Rugy benannte im Rahmen der Unterzeichnung als Datum für die Stilllegung der Reaktoren des KKW Fessenheim den März und August 2020. Ein Passus in der Vereinbarung sorge auf deutscher Seite noch für erhebliche Irritationen. EDF plane auf dem Gelände des KKW ein „Technocentre“ zum Rückbau für ausgemusterte Bauteile nuklearer Anlagen. Dabei solle es nicht nur um das KKW vor Ort gehen. Vielmehr sei angedacht, etwa Dampfgeneratoren aus abgeschalteten KKW aus Deutschland, wenn nicht aus ganz Europa, in Fessenheim zu zerlegen:

Badische Zeitung

 

Der japanische Konzern Hitachi stoppt die weiteren Planungen für ein britisches Kernkraftwerk-Projekt in Wales. Die Japaner schreiben laut eines Berichts des Branchendienstes IWR britische Vermögenswerte in Höhe von rd. 2,4 Milliarden Euro vorsorglich voll ab. Der japanische Konzern hatte nach der Übernahme der Horizon Nuclear Power den Bau von zwei Kernkraftwerken in Wales geplant. Nach Angaben von Nikkei stimmte die britische Regierung der Finanzierung von umgerechnet 16 Mrd. Euro zu, was etwa zwei Drittel der Gesamtkosten entsprechen sollte. Japanische und britische (öffentlich-private) Konsortien sollten das restliche Drittel finanzieren. Hitachi hatte dem Bericht zufolge jedoch große Schwierigkeiten, Unternehmen in Japan zu finden, die sich beteiligen wollten. Zusätzliche Verhandlungen über die Finanzierung Ende 2018 mit der britischen Regierung führten dann zu einem Stillstand. Sorgen über die Folgen des Brexits und die Zukunft der Kernenergie in Großbritannien hätten weitere Fragen aufgeworfen:

IWR

 

Die Widerstände gegen das in Brunsbüttel geplante Import-Terminal für Flüssigerdgas (LNG) wachsen. Zum einen habe die Bundesnetzagentur die vorgesehene Pipeline zur Anbindung des Terminals ans Gasnetz aus dem bis zum Jahr 2028 geltenden Netzentwicklungsplan gestrichen. Zum anderen seien die Proteste von Bürgern gegen den Bau lauter. Ein Bündnis von Kritikern hat gut 67.000 Unterschriften gegen eine staatliche Förderung des Terminals gesammelt, die sie an Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther übergaben. Die shz berichtet von diesen Rückschlägen für den Energiestandort Brunsbüttel:

SHZ