Presseschau vom 02.03.2022

Herzlich willkommen zur aktuellen Presseschau. Erwartungsgemäß steht das Thema Ukraine auch mit Blick auf Kernkraft und Energiepolitik im Fokus unserer Auswahl für Sie, insbesondere ein Interview mit Bundeswirtschaftsminister Habeck ist hier ein prominenter Beitrag. Lokale Nachrichten aus Biblis und dem KKW Emsland sowie eine ebenfalls durch den Ukraine-Konflikt beschleunigte Entwicklung für den Energiestandort Brunsbüttel ergänzen unser Leseangebot in dieser Woche. Wir wünschen Ihnen gewinnbringende Lektüre.

Bei Rückbauarbeiten im Kernkraftwerk Biblis (Bergstraße) ist es laut Hessenschau zu einem Kleinbrand gekommen. Auslöser des Brandes war demnach ein Bauteil, das mit einer Seilsäge zerlegt wurde und dabei warm geworden war, wie das Umweltministerium mitteilte. Der Brand hatte sich demnach bereits am 17. Februar ereignet:

HESSENSCHAU

Der Ingenieur Wolfgang Kahlert hat im Laufe seines Berufslebens das Kernkraftwerk Emsland von „der ersten bis zur letzten Stunde“ begleitet. Die NOZ lässt den Mitarbeiter des Werks über seine Erfahrungen und Erlebnisse in einem Feature ausführlich zu Wort kommen:

NOZ (Bezahlinhalt)

Der Ukraine-Krieg und die Abhängigkeit Deutschlands von russischen Gaslieferungen befeuern die Debatte um die Abschaltung von Kohle- und Atomkraftwerken, so die Deutsche Welle. Der grüne Wirtschaftsminister Habeck habe demnach „keine Denktabus“ mehr. Angesichts der sich zuspitzenden Konfrontation des Westens mit Russland schließt Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck demnach eine Verlängerung der Laufzeiten von Kohle- und Kernkraftwerken in Deutschland nicht generell aus. Eine weitere Nutzung der Kernenergie in der Bundesrepublik werde er nicht „ideologisch abwehren“, sagte Habeck demnach in der ARD. Sein Ministerium prüfe dies. Bei den Kohlekraftwerken sei die Situation die gleiche:

DEUTSCHE WELLE

Das Interview mit Bundeswirtschaftsminister Habeck mit den Äußerungen zur Kernkraft findet sich auf der Website der ARD, zusammen mit weiteren Stellungnahmen aus Politik und Wirtschaft zum Thema:

TAGESSCHAU

Die Betreiber der deutschen Kernkraftwerke haben Forderungen nach einer Verlängerung der Laufzeiten mit Blick auf mehr Unabhängigkeit von russischem Gas eine klare Absage erteilt, wie die FAZ meldet. „Ein Weiterbetrieb unseres Kernkraftwerks Isar 2 über den gesetzlichen Endtermin 2022 hinaus ist für uns kein Thema“, sagte demnach ein Sprecher des Energiekonzerns Eon der Düsseldorfer Rheinischen Post. „Der Gesetzgeber hat vor Jahren entschieden, dass Kernkraft in Deutschland keine Zukunft hat. Kurz vor Abschalten in Deutschland eine Debatte darüber zu starten, ist befremdlich.“ Ähnlich äußerte sich demnach auch der Betreiber EnBW:

FAZ

Der Essener Energieversorger Eon ist laut einer späteren Meldung des Handelsblatts offen für Gespräche über eine mögliche Verlängerung der Laufzeiten für Kernkraftwerke in Deutschland. „In dieser Ausnahmesituation sind wir als Eon bereit, darüber zu sprechen, unter welchen technischen, organisatorischen und regulatorischen Randbedingungen eine verlängerte Nutzung des Kernkraftwerks Isar 2 möglich wäre, sofern dies seitens der Bundesregierung ausdrücklich gewünscht ist“, sagte ein Sprecher demnach dem Blatt. Der baden-württembergische Energiekonzern EnBW äußerte sich ähnlich. „Sollte es in den weiteren Entwicklungen als Folge des Kriegs in der Ukraine erforderlich sein, Maßnahmen zu prüfen, die für die Versorgungssicherheit unumgänglich sind und von diesem Pfad abweichen, werden wir mit unserer Erfahrung und unserem Know-how selbstverständlich beratend zur Seite stehen und mithelfen, alle Möglichkeiten technologieoffen auszuloten“, teilte eine Sprecherin mit:

HANDELSBLATT (Bezahlinhalt)

Der WDR beschäftigt sich angesichts des Krieges in der Ukraine mit der Frage, was dies für das KKW Tschernobyl bedeute. Im Zuge der Kampfhandlungen sei auch der Tschernobyl-Kernreaktor von Russland eingenommen. Die Atomenergiebehörde IAEA sei besorgt, Meldungen von höherer Strahlung machen laut WDR die Runde. Quintessenz der zitierten Experten sei jedoch, dass aktuell wohl nur geringer Anlass zur Sorge bestände, allerdings sei die Informationslage unvollständig:

WDR

Auch der SPIEGEL beschäftigt sich mit der Frage nach den ukrainischen KKW. In der Ukraine stehen demnach 15 Kernkraftwerke sowie der Katastrophenreaktor von Tschernobyl. Der Kernphysiker Heinz Smital erklärt, was der russische Angriff auf das Land für die Sicherheit der Anlagen bedeutet:

SPIEGEL (Bezahlinhalt)

Ein Fehler bei der Überprüfung der Brandschutzanlage im Kernkraftwerk Cattenom habe laut Trierer Volksfreund dazu geführt, dass ein Wasser-Öl-Gemisch ausgetreten und die Mosel verunreinigt habe. Das gab der Betreibe des Kraftwerks, der französische Energiekonzern EDF, bekannt. Demnach sei irrtümlich ein Ventil geöffnet worden, wodurch die Sprinkleranlagen über den Transformatoren in den Reaktorblöcken 1,2 und 3 automatisch gestartet worden sei. Bis zu zwei Stunden seien die Trafos besprüht worden. Dadurch habe sich das darin befindliche Öl mit Wasser gemischt und sei übergelaufen. Unmittelbar durchgeführte Messungen hätten ergeben, dass keine Radioaktivität freigesetzt worden sei. Man habe den Zwischenfall der französischen Atomaufsicht gemeldet, so der Energiekonzern:

VOLKSFREUND

Über den „steten Abstieg einer als „sauber“ gefeierten Energietechnik“ resümiert der NDR in einem Beitrag, der die Geschichte der Kernkraft in Deutschland rekapituliert und einen schwindenden Grad an Zustimmung in der Bevölkerung zur Kernenergie attestiert:

NDR

Ein ferngesteuerter Roboter ist in die strahlenverseuchten Gewässer des Kernkraftwerks Fukushima eingetaucht. Dabei ist es ihm gelungen, Bilder von geschmolzenem Kernbrennstoff aufzunehmen. Der STERN zeigt das Video:

STERN

Eine bedeutende Meldung für den Energiestandort Brunsbüttel: Hier soll nun alsbald ein Terminal für Flüssigerdgas (LNG) entstehen. Das hat Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) in einer Regierungserklärung als Reaktion auf den Krieg in der Ukraine angekündigt. „Die Ereignisse der letzten Tage und Wochen haben uns doch gezeigt: Eine verantwortungsvolle, vorausschauende Energiepolitik ist nicht nur entscheidend für unsere Wirtschaft und unser Klima. Sondern entscheidend auch für unsere Sicherheit“, sagte Scholz laut NDR. Mit dem Bau der LNG-Terminals möchte man Scholz zufolge eine sichere Energieversorgung des Landes gewährleisten. Als zweiten Standort nannte der Kanzler Wilhelmshaven in Niedersachsen:

NDR