Industriestandort Brunsbüttel

Brunsbüttel hat sich nach dem Bau des Nord-Ostsee-Kanals allmählich als Wirtschaftsstandort etabliert. Einige Rückschläge musste die Stadt hinnehmen, viele Erfolge hat sie erlebt. Die folgende Übersicht gibt Einblick in die wechselvolle Wirtschaftsgeschichte.

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Foto: Jan Sievers

Regionalwirtschaftliche Ausgangslage

Die industrielle Entwicklung Brunsbüttels begann Ende des 19. Jahrhunderts, als zwischen 1887 und 1895 der Kaiser-Wilhelm-, der heutige Nord-Ostsee-Kanal, gebaut wurde. Dies zog entsprechend Arbeitsplätze nach sich, wodurch die Einwohnerzahl binnen weniger Jahre von 900 auf 5.000 anstieg; Unternehmen kamen allerdings nur zögerlich: Neben einer Bunkerstation für Schiffsdiesel ließen sich eine Dampfziegelei, eine Düngemittelfabrik sowie ein Bitumenwerk nieder.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich die Wirtschaft in der Unterelberegion stark rückläufig, das Bruttoinlandsprodukt sank weit unter den Landes- wie Bundesdurchschnitt. Doch schon bald wirkte sich besonders die gute Anbindung an den überregionalen Seeverkehr positiv für den Wirtschaftsstandort Brunsbüttel aus. Die schleswig-holsteinische Landesregierung legte 1967 im Regionalplan für den Planungsraum IV fest, dass in Brunsbüttel „eine über die sonstigen zentralörtlichen Funktionen hinausgehende industriell-gewerbliche Entwicklung gefördert werden [solle]“.

Einen wichtigen Anschubfaktor hierfür stellte der Entwicklungsplan des Hamburger Wirtschaftssenators Helmut Kern Ende der 1960er Jahre dar. Dieser wies von Hamburg ausgehende Entwicklungskorridore und Zentren aus, in denen diejenigen Industrieansiedlungen, die in Hamburg auf Grund fehlender Flächen nicht möglich waren, realisiert werden konnten. Für die vorgesehenen Industriestandorte an der Unterelbe wurde ein ambitioniertes Infrastrukturprogramm aufgelegt.

Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme

In Brunsbüttel wurde in den 1960er Jahren eine Entwicklungsmaßnahme eingeleitet, die sich zur umfangreichsten und kostspieligsten in ganz Schleswig-Holstein entwickeln sollte.

Es war geplant, auf rund 2.000 ha ein Zentrum der Chemie- und Mineralölwirtschaft entstehen zu lassen, das bis zu 14.000 Arbeitsplätze bringen und zu einem massiven Bevölkerungswachstum führen sollte. Zur Realisierung dieses Vorhabens mussten jedoch große Finanzmengen aufgebracht werden. Zwischen 1970 und 1983 flossen rund eine Milliarde DM an öffentlichen Mitteln in das Projekt. Von den Unternehmen wurden im gleichen Zeitraum rund 4,2 Mrd. DM investiert. Für städtebauliche Maßnahmen wurden bis 1986 außerdem rund 160 Mio. DM aufgewendet.

Anfangsinvestitionen und Krise

Mit dem Ausbau der Infrastrukturen in Brunsbüttel war schon weit vor der Entwicklungsmaßnahme begonnen worden. So ging im September 1959 der Ölhafen in Betrieb. Auf dieser Grundlage konnte sich wiederum die von der Anlieferung per Schiff abhängige CONDEA (heute Sasol) 1964 ansiedeln. 1967 wurde der Elbehafen in Betrieb genommen, der mit bis zu 14,80 m Schiffstiefgang auch für große Massengutfrachter und Rohöltanker ausgelegt ist. Ende der 1970er Jahre schließlich wurde der Hafen Ostermoor gebaut, der vorrangig die Harnstoff- und Ammoniak-Lieferung an die Veba-Chemie (heute Yara) sicherstellen sollte.

Für die Industrieansiedlung musste zudem die Straßenanbindung ausgebaut und große Flächen aufgespült werden, da der Marschboden für die Industriebebauung nicht geeignet war. Auch Entwässerung und Stromversorgung mussten neu geordnet, ein Wasserwerk und eine Abfalldeponie errichtet werden.

Die Ansiedlungsvorbereitungen liefen bis zu den Ölpreis- und Währungskrisen der 1970er Jahre auf Hochtouren. Der Konjunktureinbruch führte zu strukturellen Veränderungen der wirtschaftlichen Lage, die sich gerade in Brunsbüttel in voller Härte zeigten. Wichtige Investitionsprojekte wurden aufgegeben, Produktreihen im Ausland realisiert. Zudem gingen die Unternehmen zu Rationalisierungsmaßnahmen über, was vor allem in den personalintensiven Fabrikationen zu spüren war.

Verhaltene Weiterentwicklung

Mit den Krisen stoppte die Entwicklung Brunsbüttels für die kommenden 20 Jahre fast gänzlich. Erst um die Jahrtausendwende verbesserte sich die Situation. Neue Unternehmen entdeckten den Standort, bestehende Anlagen wurden erweitert und neue Netzwerke in der Region geknüpft.

Seit 2004 wurden so Projekte mit einem Investitionsvolumen von rund 360 Mio. € realisiert. Für Umbau und Modernisierung der Bestandsanlagen wurden weitere Mittel in dreistelliger Millionenhöhe investiert.

Situation 2010 und Ausblick – Brunsbüttel: Vision mit nachhaltiger Zukunft

Obwohl das Kraftwerk seit 2007 nicht mehr in Leistungsbetrieb ist, verbinden viele den Standort Brunsbüttel nicht nur mit den Schleusenanlagen des Nord-Ostsee-Kanals, sondern automatisch auch mit dem Kernkraftwerk Brunsbüttel. Spätestens aber mit dem von der Bundesregierung im Jahr 2011 im Rahmen der Energiewende beschlossenen Ausstieg aus der Atomkraft hat sich die Perspektive geändert, mit der wir heute auf die Stadt schauen.

Brunsbüttel ist vorrangig ein Standort der Chemieindustrie. Zu den wichtigsten Unternehmen gehören Total Bitumen Deutschland GmbH; Bayer MaterialScience AG; Brunsbüttel Ports GmbH, Hafenbetreiber; Chemische Fabrik Brunsbüttel GmbH, ehemals DyStar Textilfarben GmbH; Lanxess AG; Sasol Germany GmbH; Yara GmbH & Co. KG.

An den Infrastrukturen stehen Ausbau- und Modernisierungsmaßnahmen an. So wird beispielsweise ab 2014 eine fünfte Schleuse für den Nord-Ostsee-Kanal gebaut werden. Zudem ist der Ausbau der B5 geplant und für die Kraftwerksprojekte wie auch für die Windindustrie sind Neubaumaßnahmen an den Brunsbütteler Häfen vorgesehen.

Maritimes Brunsbüttel

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Foto: Malte Werning / leuchttuerme.net

Brunsbüttel ist eine Industrie- und Hafenstadt im Kreis Dithmarschen von Schleswig-Holstein. Brunsbüttel liegt an der Mündung der Elbe in die Nordsee und besitzt den bedeutendsten Seehafen an der Westküste des Landes Schleswig-Holstein. Die Stadt ist bekannt durch das inzwischen stillgelegte Kernkraftwerk und die Schleusenanlagen des Nord- Ostsee-Kanals, der meistbefahrenen künstlichen Wasserstraße der Welt. Im Jahr 1948 erhielt Brunsbüttelkoog das Stadtrecht und steht nach der Vereinigung mit weiteren Gemeinden zu Brunsbüttel im Jahr 1970 heute flächenmäßig hinter Lübeck, Fehmarn, Kiel und Neumünster auf Platz fünf der Städte Schleswig-Holsteins.

Brunsbüttel liegt auf der eingedeichten Flussmarsch der Elbe, etwa in Höhe von Elbe-Stromkilometer 695. Die Elbe (Unterelbe/Niederelbe) bildet hier den Mündungstrichter beim Übergang in die Helgoländer Bucht/Deutsche Bucht der Nordsee und ist im Bereich Brunsbüttel ca. 3 km breit. Die Gezeiten führen zu einem Tidenhub im Bereich Brunsbüttel von ca. 2,5 bis 3 m. Das Stadtgebiet befindet sich nur wenig über dem mittleren Meeresspiegel. Durch den Aushub des Nord-Ostsee-Kanals (1887–1895) und später beim Bau der neuen Schleusen (1908–1914) entstanden mehrere Erdhügel (Wurten), auf denen sich heute die höherliegenden Stadtteile befinden. Brunsbüttel ist von mehreren, z. T. wirtschaftlich bedeutenden Wassersystemen umgeben und durchzogen. Zum Beispiel beginnt der 1895 eingeweihte Nord-Ostsee-Kanal in Brunsbüttel (Kanalkilometer 0) und mündet nach ca. 99 km bei Kiel in die Ostsee. Er teilt die Stadt in einen östlichen (genannt Brunsbüttel-Süd) und einen westlichen Teil (bezeichnet als Brunsbüttel-Nord).

Das Stadtwappen

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Blasonierung: „In Rot ein schräglinker silberner Wellenbalken, den, schräglinks gekreuzt, ein Anker mit Ring und ein Spaten in verwechselten Farben überdecken.“
Das Wappen wurde 1951 für Brunsbüttelkoog genehmigt und nach der Gründung von Brunsbüttel übernommen. Der Anker symbolisiert den maritimen Charakter und die lange Seefahrertradition der Stadt. Die Wellenlinie und der Spaten stehen für den Bau des Nord-Ostsee-Kanals. Das in der Stadtfahne verwendete Motiv wurde vom Kunsterzieher Wilhelm Horst Lippert entworfen.

Weitere Links zu Brunsbüttel

Die Website der Stadt Brunsbüttel
www.brunsbuettel.de

Die Website zur Schleusenmeile
www.schleusenmeile.de

Informationen über Industrieansiedelung
www.chemcoastpark.de

Sehenswürdigkeiten und Freizeitaktivitäten in Brunsbüttel

Größter Anziehungspunkt Brunsbüttels ist die Lage an der Unterelbe und dem Nord-Ostsee-Kanal, der meistbefahrenen künstlichen Wasserstraße der Welt. Insbesondere die Kanalschleusen sind nicht nur für Schiffs- und Technikinteressierte sehenswert. Im angegliederten Museum befinden sich viele Schautafeln zur Entstehungsgeschichte des Nord- Ostsee-Kanals, Modelle und historische Exponate. Über 100.000 Tagesgäste zieht es jährlich an die Brunsbütteler Schleusen, die touristisch über die Dachmarke SCHLEUSENMEILE BRUNSBÜTTEL vermarktet wird. Darüber hinaus gibt es einen historischen Ortskern (Brunsbüttel- Ort) mit der Jakobuskirche (1677, 1726 nach Blitzeinschlag neu errichtet), dem Heimatmuseum und dem Matthias-Boie-Haus (1779), das als eines der schönsten Fachwerkhäuser in Dithmarschen gilt.

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Foto: Stadt Brunsbüttel

In der Nähe des Kanals entstand um 1900 das Beamtenviertel für die Mitarbeiter der kaiserlichen Kanalverwaltung nach dem Vorbild englischer Gartenstädte. Der 1911 erbaute Wasserturm an der Ostermoorer Straße ist ein Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung. Seit 2004 findet jährlich die Wattolümpiade, ein teils sportlicher, teils spaßiger Wettkampf im Schlickwatt der Elbe statt, an dem sich Teams aus ganz Deutschland und dem europäischen Ausland beteiligen. Sie wurde von einigen engagierten Bürgern als Benefizveranstaltung für die Deutsche Krebshilfe ins Leben gerufen. 2005 wurde den Organisatoren der Deutsche Tourismuspreis für innovative Tourismusprojekte verliehen.

Häfen in Brunsbüttel

Brunsbüttel hat verschiedene Häfen. An der Elbe liegen der Elbehafen und der nur bei Hochwasser befahrbare „Seglerhafen“ für die einheimischen Sportboote, genannt Alter Hafen. Mehrere Häfen liegen am Nord-Ostsee-Kanal, der Ölhafen und der Hafen Ostermoor sowie die Liegeplätze im „Yachthafen“ für die vorbeifahrenden Sportboote.

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Foto: EGEB

Wichtigster Punkt der Brunsbütteler Infrastruktur ist der Elbehafen als Tiefwasserhafen. Der Seehafen ist der bedeutendste Nordseehafen in Schleswig-Holstein. Aufgrund seiner breiten Aufstellung als Universalhafen werden im Elbehafen viele unterschiedliche Güterarten wie Flüssig-, Massen- und Stückgut sowie Projektladungen umgeschlagen. Die Betreibergesellschaft Brunsbüttel Ports hat im Jahr 2012 in den Häfen Elbehafen, Ölhafen und Hafen Ostermoor zusammen knapp 11,5 Mio. Tonnen Güter umgeschlagen, das entspricht einer Steigerung um über 10 % gegenüber 2011.