Fragen und Antworten

Was genau bedeutet Rückbau eines Kernkraftwerks?

Der Abbau beginnt mit Erhalt der ersten Stilllegungs- und Abbaugenehmigung. Äußerlich richtig sichtbar wird dieser am KKW selber erst nach Entlassung aus der atomrechtlichen Überwachung und dem Beginn des Abbruchs der restlichen Gebäudestruktur.

Wie viele Castor-Behälter lagern im Standort-Zwischenlager Brunsbüttel?

Derzeit lagern 9 mit Brennelementen befüllte Castor-Behälter im Standort-Zwischenlager Brunsbüttel (SZB). Darüber hinaus werden 11 neue Castor-Behälter im SZB aufbewahrt. Diese Behälter sind noch leer und sind dafür vorgesehen, die noch im Reaktor befindlichen Brennelemente aufzunehmen.

Wie wird die radioaktive Belastung am Standort gemessen?

Die Höhe der Belastung wird am Standort des Kernkraftwerks Brunsbüttel und in seiner näheren Umgebung durch Umgebungs- überwachungsprogramme gemäß der Richtlinie zur Emissions- und Immissionsüberwachung kerntechnischer Anlagen ermittelt. Zur Bestimmung der radiologischen Belastung werden am Standort des Kraftwerks Proben aus Luft, Niederschlag, Boden, Bewuchs (Gras), Wasser (Oberflächenwasser aus der Elbe), Brunnenwasser und Sediment ausgemessen.

Wie lange dauert der Rückbau?

Nach derzeitigem Planungsstand wird der Rückbau im Jahr 2017 beginnen und insgesamt ca. 10–15 Jahre dauern.

Werden die Castor-Behälter auf den Straßen von Brunsbüttel befördert?

Nein, mit der Bahn. Durch die gesamte südliche Länge der Anlage des Kernkraftwerks Brunsbüttel zieht sich eine Gleisanlage als Transport- und Montagedurchfahrt, die in westlicher Richtung verlängert an die Gleisanlage des Elbehafens anschließt.

Wie viel der beim Abbau des Kernkraftwerks Brunsbüttel anfallenden Stoffe müssen als radioaktiver Abfall endgelagert werden?

Von den ca. 300.000 t erwarteter Gesamtmasse des Kernkraftwerks Brunsbüttel müssen nur ca. 2 % und damit ca. 6.000 t als radioaktiver Abfall endgelagert werden. Da zurzeit kein Endlager verfügbar ist, müssen diese Abfälle bis zur Ablieferung an ein Bundesendlager zwischengelagert werden. Die übrigen Stoffe können erwartungsgemäß so weit dekontaminiert (gesäubert) werden, dass diese mit behördlicher Freigabe als nicht radioaktive Stoffe entsorgt oder rezykliert werden können.

Was genau ist das Endlagersuchgesetz?

Mit dem Endlagersuchgesetz, auch Standortauswahlgesetz, hat der Gesetzgeber im Juni 2013 einen Fahrplan für die Suche nach einem Endlager geschaffen. Das Ziel ist der bestmögliche Standort für die Lagerung hochradioaktiver Abfälle. Dabei ist dauerhafte Sicherheit für Menschen, Umwelt und Natur das oberste Gebot. Der Suchprozess soll demokratisch legitimiert sein, transparent und nachvollziehbar, unter breiter Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger. Die Standortsuche wird ergebnisoffen sein, auf der Basis fachlich begründeter Kriterien ohne Vorfestlegungen („weiße Landkarte“). Im ersten Schritt hat eine pluralistisch besetzte Endlagersuchkommission Kriterien für die Endlagersuche entwickelt und diese Ende 2016 dem Bundestag vorgelegt. Nach dessen Zustimmung im März 2017 und Passieren des Bundesrats soll bis 2031 soll ein Standort gefunden sein, der Betrieb des Endlagers ist ab 2050 geplant.

Wird einmal eine grüne Wiese dort sein, wo heute noch das Kernkraftwerk Brunsbüttel steht?

Ja, die aktuelle Planung sieht den vollständigen Abbau der Anlage bis zur grünen Wiese vor.

Wo werden schwach- und mittelradioaktive Abfälle zwischengelagert?

Gemäß Reststoffbearbeitungs- und Abfallzwischenlagerungs- konzept werden auf dem Anlagengelände nördlich des Kraftwerks und des Standort-Zwischenlagers unterstützende Einrichtungen – z. B. geplantes Zwischenlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle (LasmA), optionales Reststoffbearbeitungszentrum (RBZ) und Pufferlagerung – außerhalb des äußeren Sicherungsbereiches errichtet und in Betrieb genommen. Der Abstand des Baufeldes zu den atomrechtlich genehmigten Anlagen ist groß genug, so dass die Rückwirkungsfreiheit der Baumaßnahmen inhärent gegeben ist.

Können während des Rückbaus Erdbeben wie das von Fukushima die Sicherheit der Anlage beeinträchtigen?

Der Standort Brunsbüttel liegt im Bereich des Norddeutschen Tieflandes, einer tektonischen Gebietseinheit mit sehr geringer Erdbebengefährdung. Der Standort ist keiner Erdbebenzone gemäß DIN 4149 bzw. DIN EN 1998 zuzuordnen.

Vattenfall wurde vom Oberverwaltungsgericht Schleswig die Aufbewahrungsgenehmi- gung für das Standort-Zwischenlager entzogen. Was hat das für Konsequenzen?

Derzeit ist das Urteil des Oberverwaltungsgerichts (OVG) noch nicht rechtskräftig. Abhängig vom Ausgang des Verfahrens ist über die weitere Aufbewahrung der Castor-Behälter durch die zuständigen Behörden zu entscheiden. Da grundsätzlich jeder Kernkraftwerksstandort laut Atomgesetz auch über ein Standort-Zwischenlager verfügen muss und ein vom Bund zu errichtendes Endlager für abgebrannte Brennelemente derzeit noch nicht existiert, wären die vom OVG gerügten Defizite in einem Genehmigungsverfahren zu beheben, sollte das Urteil des OVG rechtskräftig werden. Zuständig für ein solches Genehmigungsverfahren wäre das Bundesamt für Strahlenschutz.

Wie groß ist die Masse des Kraftwerks, die rückgebaut wird?

Die Gesamtmasse beträgt ca. 300.000 t. Die nuklearen Hauptkomponenten machen hiervon 4.518 t aus. Mit 26.062 t kommen die Komponenten und Bauteile dazu. Die eigentlichen Gebäudemassen liegen bei 264.000 t.

Sie haben noch unbeantwortete Fragen?

Unter diesem Link finden Sie „Fragen und Antworten zur Stilllegung und zum Abbau der Kernkraftwerke Brunsbüttel und Krümmel“ – bereitgestellt durch das MELUR (Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume).